Amphibienschutz ist Ehrensache

… das haben sich eine Reihe Egestorfer gesagt und sich in Kooperation mit dem Nabu Hanstedt-Salzhausen am 1. März 26 aufgemacht und auch in diesem jähr wieder einen Amphibien-Rettungszaun am Sudermühler Weg installiert. Als Belohnung gab es selbst gebackenen Kuchen, Kaffee, Tee und andere Erfrischungsgetränke. Natürlich alles Ehrenamtlich!

Amphibien brauchen unseren Schutz

Laut dem NABU werden bei der Überquerung von Straßen „jährlich Tausende Amphibien überfahren“. Schätzungen variieren abhängig von den örtlichen Gegebenheiten im Bereich von 30-70% der wandernden Tiere. Im Sudermühler Weg haben wir im letzten Jahr über 4000 Amphibien vor diesem Risiko bewahrt. 

Auch in diesem Jahr sind wieder zahlreiche ehrenamtliche Helfer aktiv an der Rettungsaktion beteiligt!

Doch warum ist es so wichtig, Amphibien zu schützen?

Sobald die Temperaturen nachts dauerhaft über fünf Grad steigen und feuchte Witterung einsetzt, beginnt eines der beeindruckendsten Naturschauspiele Mitteleuropas: die jährliche Amphibienwanderung. Erdkröten, Grasfrösche und Molche verlassen ihre Winterquartiere und machen sich auf den oft kilometerlangen Weg zu ihren angestammten Laichgewässern. Doch was seit Jahrtausenden funktioniert, wird heute zur tödlichen Gefahr – denn viele dieser Routen kreuzen Straßen.

Amphibien sind Bioindikatoren. Ihr Zustand sagt viel über die Qualität unserer Umwelt aus. 

Wo Frösche und Molche verschwinden, ist das Ökosystem nicht mehr im Gleichgewicht.

Die jährliche Wanderung ist daher nicht nur ein Naturschauspiel, sondern auch ein Gradmesser für den Zustand unserer Landschaft. Jeder gerettete Grasfrosch ist ein kleiner Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. 

Sind alle Amphibien gefährdet?

Bedauerlicherweise ist ein großer Teil der in Deutschland gefährdeten Amphibien in der Lüneburger Heide nicht mehr zu finden. Überwiegend finden sich relativ häufige Arten (z. B. Grasfrosch und Erdkröte) und nur selten auch bestandsbedrohte Arten. Was der Lüneburger Heide in Bezug auf das ökologische Gleichgewicht leider kein besonders gutes Zeugnis ausstellt. Die intensive Agrarflächennutzung mit dem Gebrauch von chemischen Düngemitteln und Pestiziden trägt sicher dazu bei.

Zu den eindeutig selteneren Arten in unserer Region gehören der Laubfrosch ebenso wie der Moorfrosch, die landesweit als gefährdete Arten gelten. Noch seltener anzutreffen ist die Kreuzkröte, die als stark gefährdete Art gilt. Ihr fehlen spezifische Lebensräume, die in der Heide kaum noch vorhanden sind.

Kreuzkröte (stark gefährdet) Bei uns kaum noch anzutreffen.

Moorfrosch (stark gefährdet) ist immerhin im Pietzmoor noch mit einer kleinen Population anzutreffen.

Teichfrosch (besonders geschützt) Wird wegen seiner Farbe häufig als „Grasfrosch“ bezeichnet. Er ist aber im Gegensatz zum Grasfrosch, der ein echter Braunfrosch ist, nur sehr selten bräunlich gezeichnet und dadurch sehr leicht zu unterscheiden.

 

Warum Amphibien wandern

Amphibien verbringen den Großteil des Jahres in Wäldern, Gärten oder unter Hecken. Zur Fortpflanzung kehren sie jedoch zuverlässig in genau das Gewässer zurück, in dem sie selbst geschlüpft sind – ein Verhalten, das als Laichplatztreue bekannt ist.

Das Problem: Viele dieser Gewässer liegen heute auf der anderen Seite stark befahrener Straßen.Da sich Amphibien langsam bewegen – eine Erdkröte benötigt mehrere Minuten, um eine Straße zu überqueren – haben sie bei starkem Verkehr kaum eine Überlebenschance.

Die Zahlen sind alarmierend: Naturschutzverbände schätzen, dass an einzelnen Straßenabschnitten innerhalb weniger Wochen tausende Tiere sterben, wenn keine Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Amphibien gehören ohnehin zu den am stärksten bedrohten Wirbeltiergruppen Europas.  Lebensraumverlust, Pestizide, Klimaveränderungen und Straßenverkehr wirken dabei zusammen.

In der niedersächsischen Roten Liste sind von den 19 heimischen Arten bereits 11 gefährdet und drei weitere stehen auf der Vorwahnliste vermerkt. 

  • Dramatische Rückgänge verzeichnen insbesondere bei der Gelbbauchunke, der Kreuz- und Wechselkröte sowie der Geburtshelferkröte.
  • Der Kammmolch wird ebenfalls als gefährdet eingestuft.
  • Zu den gefährdeten Arten zählen auch der Laubfrosch und Moorfrosch.
  • Bei uns kaum noch anzutreffen ist der Feuersalamander

Der Feuersalamander gehört zu den extrem seltenen Funden in unserer Region, obwohl er früher auch bei uns ausgeprägt heimisch war.

Der Teichmolch ist in Deutschland noch relativ häufig, wenngleich wir bei den Zählungen immer nur vereinzelte Tiere finden.

 
Die Zahl der überfahrenen Tiere im Sudermühler Weg ist alarmierend hoch!

Trotz des unermüdlichen Einsatzes zahlreicher Helfer ist die Zahl der überfahrenen Amphibien nach wie vor inakzeptabel hoch.  Obwohl wir die Zaunlänge deutlich verlängert haben, scheint ein beträchtlicher Teil der Amphibien aus dem Hangbereich zwischen Straße und Fußweg zu kommen und landet somit nicht in unseren Sammeleimern. Im Bereich des Kopfsteinpflasters kommen sie, offensichtlich von beiden Hängen, und nutzen die Straße als bequemen Weg hinab zu den Teichen.  Folglich finden sich trotz unserer Bemühungen immer noch viel zu viele tote Tiere auf der Straße.

Screenshot

 

Eine Vollsperrung der Straße für die Zeit der Wanderung wäre zu erwägen

Es gibt zahlreiche Beispiele für Gemeinden, die es ermöglichen, dass der Verkehr, sofern es eine zumutbare Umgehung gibt, für die Zeit der Amphibienwanderung in den betroffenen Streckenabschnitten ganz oder zumindest zwischen 19 und 7 Uhr in der Früh gesperrt wird.

Wir dokumentieren in diesem Jahr daher neben den am Zaun gesammelten auch jene Tiere, die wir auf der Straße gefunden und gerettet haben. Gleiches gilt für die Zahl der überfahrenen Tiere, um eine solide Datenbasis für die Gespräche mit der zuständigen Verkehrsbehörde zu haben.  

Ein ganz besonderer Dank gilt den unermüdlichen Helfern, die sich bis spät in der Nacht nicht scheuen, die Amphibien dabei zu unterstützen, ihr Ziel zu erreichen.

Gerettet!

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